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Vielsprachigkeit


An der Vielsprachigkeit in Südbünden spürt man den langen Einfluss des Lateinischen. Über vierhundert Jahre gehörte die Region zum Römischen Reich und im Mittelalter blieb Lateinisch die Amtssprache. Mit der eigenstaatlichen Entwicklung und dem dezentralisierten Aufbau der Drei Bünde gelangten die lokalen Sprachvarianten zu starker autonomer Bedeutung. 

 

Im 16. Jh. wurden die Varianten des Ladinischen, Putèr im Oberengadin und Vallader im Unterengadin Schriftsprachen. Die gedruckten Übersetzungen des Neuen Testaments von Giachem Biffrun (1560) und der Psalmen von Duri Campell (1562) standen sprachlich auf einem hohen Niveau und wurden für die nachfolgenden Autoren zum Massstab. Daneben erhielt sich die Sprachweise des Münstertals, Jauer, als eigenständiges Idiom. In den Südtälern Bergell und Valposchiavo spricht man weiterhin eigenständige norditalienische Dialekte, Bregagliot und Pus’ciavin, und bedient sich des geschriebenen Italienischen. Ab dem 19. Jahrhundert wurde Deutsch Verwaltungssprache und verbreitete sich auch in den touristischen Gegenden Südbündens durch eine zunehmende Einwanderung. 

 

Im Jahr 1985 kam dann noch die neu entwickelte Schriftsprache Rumantsch grischun dazu, die bei der Übersetzung von eidgenössischen und kantonalen Gesetzestexten gute Dienste leistet. Die Auswanderung der Südbündner und die Heimkehr im späteren Lebensalter brachten zusätzlich viele Sprachkenntnisse ins Land. Wie kommt es, dass sich diese kleine Region mit weniger als 1/3 der Fläche von Graubünden und 32‘000 EinwohnerInnen die vielen lokalen Sprachen bewahrt hat? Die topografischen Kammern, die verfassungsmässige Autonomie und der Einfluss der verschiedenen europä- ischen Kulturkreise, die am Piz Lunghin aufeinander treffen, erklären es teilweise. Die Sprachgewandtheit der einzelnen EinwohnerInnen erlaubte es ihnen, die stets neu auftretenden Sprachbedürfnisse zu meistern, ohne das Gewohnte aufzugeben.

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